Engpassmanagement bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Netzbetreiber Überlastungen im Stromnetz erkennen, vermeiden oder beseitigen. Durch den zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien, die Dezentralisierung der Erzeugung und steigende Flexibilitätsanforderungen gewinnt das Engpassmanagement im Stromnetz stark an Bedeutung. Es ist ein zentrales Element für einen sicheren, stabilen und effizienten Netzbetrieb.
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ToggleBegriffserklärung
Engpassmanagement umfasst netzseitige und marktnahe Eingriffe, die dazu dienen, eine Überlastung von Leitungen oder Netzkomponenten zu verhindern. Ein Netzengpass entsteht, wenn die verfügbare Transportkapazität eines Netzelements nicht ausreicht, um die geplanten Stromflüsse sicher zu übertragen.
Ziel des Engpassmanagements ist es, Versorgungssicherheit und Netzstabilität jederzeit zu gewährleisten.
Ursachen von Netzengpässen
Netzengpässe können aus unterschiedlichen Gründen entstehen, unter anderem durch:
- hohe gleichzeitige Einspeisung erneuerbarer Energien
- regionale Ungleichgewichte zwischen Erzeugung und Verbrauch
- begrenzte Netzkapazitäten
- verzögerten Netzausbau
- ungeplante Ausfälle von Betriebsmitteln
Insbesondere die räumliche Trennung von Stromerzeugung und Stromverbrauch erhöht die Anforderungen an das Engpassmanagement.
Formen des Engpassmanagement im Stromnetz
Engpassmanagement kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen:
- präventiv durch vorausschauende Netzplanung
- operativ durch kurzfristige Eingriffe
- strukturell durch Netzausbau und Netzoptimierung
Dabei kommen sowohl technische Maßnahmen als auch marktbasierte Instrumente zum Einsatz.
Technische und operative Maßnahmen
Zu den zentralen Maßnahmen des Engpassmanagements zählen:
- Anpassung von Einspeiseleistungen
- Steuerung von Batteriespeichern
- Aktivierung flexibler Verbraucher
- Netzumschaltungen
- Einsatz automatisierter Steuerungssysteme
- Einsatz von Phase Shifting Transformern (PSTs) zur gezielten Steuerung von Leistungsflüssen im Übertragungsnetz
In der Praxis wird Engpassmanagement häufig durch Verfahren wie Redispatch 2.0 umgesetzt, bei denen Anlagen gezielt hoch- oder heruntergeregelt werden.
Rolle der Netzbetreiber
Netzbetreiber sind für die Umsetzung des Engpassmanagements verantwortlich. Dazu zählen:
- Prognose von Netzbelastungen
- Identifikation kritischer Netzzustände
- Anordnung und Koordination von Maßnahmen
Sowohl Verteilnetzbetreiber als auch Übertragungsnetzbetreiber & Regelzonen arbeiten dabei eng zusammen, um Engpässe netzübergreifend zu steuern.
Zusammenhang mit Marktmechanismen
Engpassmanagement greift in Situationen ein, in denen marktbasierte Prozesse allein nicht ausreichen. Strommärkte wie der Day-Ahead-Markt & Spotmarkt oder der EPEX Spot Intraday-Markt bilden zwar Angebot und Nachfrage ab, berücksichtigen jedoch nicht automatisch lokale Netzrestriktionen.
Daher ergänzt Engpassmanagement marktliche Mechanismen wie das Merit-Order-Prinzip um eine netztechnische Steuerung.
Relevanz für Unternehmen
Unternehmen sind vom Engpassmanagement betroffen, wenn sie:
- eigene Erzeugungsanlagen betreiben
- Batteriespeicher einsetzen
- steuerbare Lasten nutzen
In solchen Fällen können Einspeisung oder Verbrauch zeitweise angepasst werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Prognosequalität und technische Steuerbarkeit, etwa durch Energiemanagementsysteme (EMS) und Energiemonitoring & KPIs (EnPI).
Bedeutung von Flexibilität und Speichern
Flexibilität ist ein zentraler Hebel im Engpassmanagement. Energiespeicher und steuerbare Lasten ermöglichen:
- lokale Entlastung von Netzen
- zeitliche Verschiebung von Stromflüssen
- Reduzierung netzseitiger Eingriffe
Daher besteht ein enger Zusammenhang zwischen Engpassmanagement und:
- Netzdienliche Speichersteuerung
- Lastverschiebung durch Speicher
- Demand Side Management (DSM)
- Dezentrale Netzsteuerung mit KI
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Nicht zu verwechseln mit:
- Regelenergie: kurzfristiger Ausgleich von Frequenzabweichungen
- Sekundärregelleistung (SRL) und Tertiärregelleistung (TRL): Teilbereiche der Regelenergie
- Netzentgelte und Umlagen: Kostenbestandteile der Stromversorgung
- Kapazitätsmarkt vs. Energiemarkt: marktliche Instrumente zur Versorgungssicherheit
Zusammenfassung
Engpassmanagement im Stromnetz umfasst alle Maßnahmen zur Vermeidung und Beseitigung von Netzüberlastungen und ist ein zentrales Instrument zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit. Ursachen für Engpässe liegen vor allem in der dezentralen Stromerzeugung, regionalen Ungleichgewichten und begrenzten Netzkapazitäten. Netzbetreiber setzen dabei sowohl technische als auch marktnahe Maßnahmen ein, wobei Verfahren wie Redispatch 2.0 eine zentrale Rolle spielen. Für Unternehmen mit Erzeugungsanlagen, Speichern oder flexiblen Verbrauchern gewinnt Engpassmanagement zunehmend an Relevanz, da Flexibilität und digitale Steuerung einen wichtigen Beitrag zur lokalen Netzstabilisierung leisten können.
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