Das Fair-Share-Prinzip ist ein zentraler Verteilungsmechanismus im dynamischen Lademanagement von Ladeparks, Flottenstandorten und öffentlicher Ladeinfrastruktur. Bei begrenzter Netzanschlussleistung sorgt es dafür, dass mehrere Elektrofahrzeuge gleichzeitig und bedarfsgerecht geladen werden können.
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ToggleBegriffserklärung
Das Fair-Share-Prinzip ist ein Verfahren zur Verteilung begrenzter Ladeleistung in der Ladeinfrastruktur. Dabei wird die am Netzanschlusspunkt verfügbare Leistung so auf alle aktiven Ladepunkte verteilt, dass die vorhandene Kapazität möglichst vollständig genutzt wird und kein einzelnes Fahrzeug unnötig benachteiligt wird. Nicht genutzte Leistung wird automatisch anderen Fahrzeugen zur Verfügung gestellt. Es ist ein wichtiger Bestandteil moderner Lastmanagement- und Lademanagement-Systeme für Ladeparks und Ladeinfrastruktur.
Der Begriff „Netzanschlussleistung“ wird hier im Sinne der gerechten Verteilung der verfügbaren Leistung auf alle Ladepunkte verwendet — ein Sprachgebrauch, der in dieser Form nicht branchenweit einheitlich ist, sich in der Praxis aber als anschauliche Beschreibung etabliert hat.
Funktionsweise
Das Fair-Share-Prinzip läuft in vier Schritten ab:
- Die verfügbare Gesamtleistung am Netzanschlusspunkt wird ermittelt
- Die verfügbare Gesamtleistung wird durch die Anzahl der aktiven Ladepunkte bzw. Fahrzeuge geteilt — dieser Anteil ist der Fair-Share
- Nutzt ein Ladepunkt seinen Anteil nicht vollständig, wird die übrige Leistung anteilig auf die anderen aktiven Ladepunkte verteilt
- Bei Zu- oder Abschalten von Fahrzeugen wird die Verteilung jeweils neu berechnet
Praxisbeispiel im Ladepark
Ein Ladepark verfügt über eine Netzanschlussleistung von 300 kW und acht Ladepunkte. Laden mehrere Elektrofahrzeuge gleichzeitig, verteilt das Fair-Share-Prinzip die verfügbare Leistung bedarfsgerecht auf die einzelnen Ladepunkte. So kann die vorhandene Infrastruktur effizient genutzt werden, ohne den Netzanschluss erweitern zu müssen.
Abgrenzung zu anderen Verteilungslogiken
Das Fair-Share-Prinzip ist eine von mehreren möglichen Verteilungslogiken innerhalb des dynamischen Lademanagements — und nicht mit den anderen Ansätzen gleichzusetzen:
- Statisches Lademanagement (Gleichverteilung): jeder aktive Ladepunkt erhält dieselbe Leistung, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf — das Gegenteil von Fair-Share
- Fair-Share-Prinzip: die verfügbare Leistung wird bedarfsgerecht verteilt, sodass jedes Fahrzeug möglichst genau die Leistung erhält, die es benötigt, und ungenutzte Leistung automatisch anderen zugutekommt
- Prioritätsbasiertes Laden: bestimmte Nutzergruppen oder Fahrzeuge werden bevorzugt versorgt — ebenfalls kein Fair-Share, sondern ein alternativer Ansatz
Okean verteilt die Leistung stets nach dem Fair-Share-Prinzip und bevorzugt dabei keine einzelnen Ladepunkte.
Vorteile für Ladeinfrastrukturbetreiber
- optimale Nutzung der vorhandenen Netzanschlussleistung
- gleichmäßige Verfügbarkeit der Ladepunkte
- höhere Kundenzufriedenheit durch verlässliche, bedarfsgerechte Ladeleistung
- Grundlage für den Ausbau zusätzlicher Ladepunkte ohne sofortigen Netzausbau
- dadurch höherer Absatz des verkauften Stroms
Grenzen des Fair-Share-Prinzips
Die Vorteile des Fair-Share-Prinzips nehmen mit zunehmender Netzanschlussknappheit ab, da die verfügbare Ladeleistung auf immer mehr Fahrzeuge verteilt werden muss und die pro Fahrzeug verfügbare Leistung entsprechend sinkt. In diesen Fällen sind ergänzende Maßnahmen wie ein Batteriespeicher, Vorladespeicher oder Peak Shaving sinnvoll.
Zusammenhang mit dynamischem Lademanagement
Das dynamische Lademanagement überwacht die verfügbare Leistung am Netzanschluss und verteilt sie nach einer definierten Verteilungslogik. Das Fair-Share-Prinzip beschreibt eine mögliche Logik für diese Leistungsverteilung — neben anderen Ansätzen wie First-Come-First-Served oder Priority Charging.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist das Fair-Share-Prinzip?
Das Fair-Share-Prinzip verteilt die am Netzanschlusspunkt verfügbare Leistung bedarfsgerecht auf alle aktiven Ladepunkte, sodass möglichst viele Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden können.
Ist Fair-Share dasselbe wie dynamisches Lademanagement?
Nein. Dynamisches Lademanagement ist das übergeordnete Steuerungskonzept; das Fair-Share-Prinzip ist eine von mehreren möglichen Verteilungslogiken innerhalb dieses Konzepts.
Bevorzugt das Fair-Share-Prinzip einzelne Fahrzeuge?
Nein, im Gegensatz zu prioritätsbasierten Verfahren werden bei echtem Fair-Share alle aktiven Ladepunkte gleichberechtigt behandelt.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Nicht zu verwechseln mit:
- Dynamisches Lademanagement: übergeordnetes Steuerungskonzept zur Regelung der verfügbaren Ladeleistung. Das Fair-Share-Prinzip kann dabei als eine mögliche Verteilungslogik eingesetzt werden
- Demand Side Management (DSM): übergeordnetes Konzept zur Steuerung und Optimierung von Energieverbräuchen. Es wird in vielen Bereichen eingesetzt und ist nicht auf Ladeinfrastruktur beschränkt
- Peak Shaving für Ladeparks: Verfahren zur Reduzierung von Lastspitzen am Netzanschlusspunkt. Im Fokus steht die Begrenzung der Gesamtleistung, nicht die Verteilung der verfügbaren Leistung auf einzelne Ladepunkte
Zusammenfassung
Das Fair-Share-Prinzip sorgt dafür, dass an Ladeparks möglichst viele Fahrzeuge gleichzeitig und bedarfsgerecht geladen werden können. Es ist eine von mehreren Verteilungslogiken innerhalb des dynamischen Lademanagements — im Unterschied zu starrer Gleichverteilung oder prioritätsbasiertem Laden sorgt es für eine faire, bedarfsgerechte Nutzung der vorhandenen Netzanschlussleistung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle rechtliche, technische oder wirtschaftliche Beratung.